Ich habe einfach keine Lust, Kapitel vier weiterzuschreiben. Da hänge ich ein bißchen fest. Generell ist mir der Handlungsverlauf völlig klar, aber am Anfang des Kapitels muß ein Zeitsprung stattfinden, irgendetwas muß den Protagonisten aus seinen doch recht tiefen Gedanken reißen und die Statik lösen. Das fehlt mir. Es geistert in den Windungen meines Kopfes herum, neckt mich hier und da, sagt des öfteren hinter einem Gedanken hervor leise "Fang mich doch!", bleibt aber weiterhin unerkannt. Es versteckt sich, läuft davon, läßt aber immer wieder wie zufällig einen kleinen Zipfel zartgrüner Seide hervorblitzen. Dazu ein Hauch von Limette und Rhabarber - es ist eigentlich unfair. Ich bin so neugierig und so ungeduldig, aber ich komme einfach nicht darauf, was sich da entwickelt. Husch, ist es wieder weg.
Was soll's, der Mensch ist Sammler und Jäger. Ich werde mich in der Mittagsruhe auf die Jagd begeben oder im Zweifelsfalle (Verzweiflungsfall) einfach heute abend ein japanisches Bad genießen. Das hat schon öfter geholfen. Derweil beschäftige ich mich weiter mit der Perspektive. Kann mein kleiner Protagonist Lesergedanken wissen? Eigentlich nicht. Kann der Leser Sachen bemerken, die der Protagonist nicht wahrnimmt, die aber doch vorhanden sind? Ich möchte den Leser eigentlich dumm halten. Nicht wirklich dumm, aber ich möchte eine etwas distanzierte und keineswegs omnipotente Erzählsituation schaffen. Trotzdem ist im dritten Kapitel eine gewissen Innensicht vonnöten, und der Leser braucht Informationen, die dem Protagonisten zwar zugänglich, aber nicht bewußt sind. Wie schaffe ich das?
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